Klassifikation

Asmat Schild B

In Nordwest-Asmat (B) haben die Schilde eine länglich-ovale, nach oben hin zugespitzte Form. Die Vorderseite gliedert sich in drei markant abgesetzte Zonen: den Kopf-, Rumpf- und Fußteil. Der Kopfteil zeigt eine Gesichtsdarstellung im Ritzdekor (Rochen, Schildkröte, Kasuar usw.), die offenbar eine Erscheinungsform der Totenseele bezeichnet. Den Rumpfteil bedeckt ein meist sehr detailreiches, aber klar geordnetes Schnitzwerk im Hochrelief, dessen stilisierter Motive aus der Geister-, Tier- und Pflanzenwelt auf Totenseelen und Kopfjagd verweisen. Seitlich begrenzen den Schildrumpf oft filigran geschnitzte Ziersäume. Der Fußteil bleibt immer ohne Schnitzdekor. Die gesamte Vorderseite des Schildes ist weiß, rot und schwarz bemalt. Eine flächige weiße und rote Bemalung befindet sich auch auf der Rückseite, auf der auch der vollplastisch herausgeschnitzte Griff sitzt. Meist ist der Schildkörper am Rand mit Dreiecksperforationen versehen, in die Zierquasten aus Sagoblattstreifen eingeknüpft sind.

Asmat Schild A

In Zentral-Asmat (A) haben die Schilde eine länglich-rechteckige, sich nach unten leicht verjüngende Form. Auf der Rückseite befindet sich ein Doppelgriff. Der Kopfteil ist nicht reliefiert, sondern von einem halb- oder vollplastischen Zapfen gekrönt, der als pars pro toto-Darstellung den Penis eines Ahnen symbolisiert. Oft wird dieser Zapfen auch von einer kleinen Ahnenfigur oder einem Ahnenkopf ersetzt - ebenfalls ein Hinweis auf den im Schild gegenwärtigen Verstorbenen. Die Reliefmotive des Rumpfteiles sind im Allgemeinen großflächig und klar gegliedert angelegt und weisen auf Kopfjagd und Totenseelen hin. Dem Fußteil fehlt jedes Schnitzdekor. Der gesamte Schildkörper ist auf der Vorder- und Rückseite weiß, rot und schwarz bemalt.

Asmat Schild C

Die Schilde in den küstenfernen Regionen von Ost- und Nordost-Asmat (C und D) fallen durch ihre Höhe auf. Sie liegt oftei über zwei Metern und übersteigt damit die Körpergröße der eher kleinwüchsigen Inland-Asmat erheblich.

Asmat Schild D

Im Osten (C) trägt der abgerundete Kopfteil keinen Reliefschmuck, wohl aber eine weiß, rot und schwarz ausgeführte Bemalung in Form einer abstrahierten Gesichtsdarstellung. Ein vertikales, sanduhrähnliches oder Y-förmiges Element in der Mitte gilt als „Stirn", die seitlichen Flächen daneben als „Wangen". Konkreter wirkt die Darstellung eines Ahnengesichts auf dem spitz zulaufenden Kopfteil der Schilde aus Nordost-Asmat (D), das mit reliefierten kreisrunden oder spiraligen Augen und oft auch einem erhabenen Nasengrat versehen ist.

Asmat verschiedene Schilde

In der ersten Zeit nach der Kontaktnahme mit dem Westen wurden alle Schilde Asmats allgemein einfach ‘Schilde aus Asmat' genannt. Später, als die Schilde der Brazza-Region bekannt wurden, unterteilte man sie in Brazza-Schilde und Schilde der Asmat im allgemeinen. Nach weiteren Forschungen wurde die Klassifizierung erweitert. Man teilte in Schilde aus dem Gebiet A, B, C und D ein (siehe unten).

 

1995 musste die Klassifizierung schließlich auf zwölf erweitert werden, entsprechend den zwölf Gruppen Asmats, die jeweils deutlich verschiedene kulturelle Eigenheiten erkennen lassen. Dennoch existieren zwischen den Gruppen auch Ähnlichkeiten, sowohl im Stil als auch im Symbolgehalt.