Schilde

 

Asmat Schilde

Die großen Kampfschilde mir ihrem expressiven Reliefdekor und der farbigen Bemalung gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des künstlerischen Schaffens der Asmat. Sie kommen in ganz Asmat vor, weisen aber pro Region jeweils ganz eigene stilistische Besonderheiten auf.

Der traditionelle Asmat-Schild verkörperte einen zu Lebzeiten geachteten und wegen seiner kriegerischen Fähigkeiten gefürchteten Ahnen und war nach diesem benannt. Ein solcher Schild beherbergte dann automatisch den Geist dieses Ahnen und besaß dessen Fähigkeiten. Die Motive und Symbole verstärkten die im Schild enthaltenen Kräfte. Er verlieh dem Träger Kraft, Mut und Schutz und vermochte den Feind einzuschüchtern. Schilde dienten also im Kampf nicht nur zur Abwehr feindlicher Pfeile und Speere, sondern waren durch die magische Macht und Drohwirkung der auf den Schilden symbolisierten Toten auch hochgeschätzte Defensivwaffen. Zugleich stellten sie für das ganze Dorf eine Verbindung zur zeitlosen Welt der Mythen und Ahnen her und bewahrten ein Stück Zeitgeschichte, indem sie an bestimmte Personen und ihre erfolgreichen Aktionen erinnerten.

Starb der Besitzer eines Schilds, so zerbrach man in manchen Gebieten Asmats den Schild der Länge nach in zwei Teile und bedeckte damit den Leichnam. Später wurde der Schild wieder sorgfältig zusammengebunden, und an die nächste Generation weitergegeben. Dieser Brauch soll bewirken, dass die Familie den Verstorbenen und seine Qualitäten in Erinnerung behält und Mut, Stärke und Geschicklichkeit des früheren Besitzers auf den neuen Schildträger übergehen.

Asmat beim Schnitzen eines Schildes

Nur bestimmte Künstler (die wow cescu ipit) können und dürfen Symbole auf Schilde schnitzen. Sowohl der Künstler als auch der Schild können einen so hohen Bekanntheitsgrad und Respekt erwerben, dass sie auch in anderen Dörfern oder sogar anderen Gruppen gefürchtet werden. Sie stellten die Schilde nach Normen her, die von den Ahnengeistern festgesetzt waren.

Die Künstler schnitzen anthropomorphe Reliefdarstellungen und -symbole auf ihre Schilde. Die Motive werden entweder rot auf weißem Grund oder weiß auf rotem Grund bemalt und mit schmalen, schwarzen, erhabenen Linien umrandet. In den meisten Gegenden Asmats wird weiße Farbe aus zu Pulver gemahlenen, gebrannten Muschelschalen gewonnen; nur in Gebieten an den Oberläufen der Flüsse, in denen Muscheln selten sind, wird sie aus Kaolin hergestellt. Rote Farbe erhält man entweder aus gebranntem, rotem Lehm, dem Saft wilder Beeren oder der Rinde des wase-Baums. Schwarze Farbe besteht aus Holzkohle.

Schlagen einer Mangroven Brettwurzel für ein Schild

Die Asmat schnitzen ihre Schilde aus den Brettwurzeln oder Stämmen von Mangroven. Das weiche Mangrovenholz eignet sich gut, um mit Werkzeugen aus Stein, Knochen und Muschelschalen zu Schilden verarbeitet zu werden. In früherer Zeit verschafften sich die Asmat an der Küste zusätzlich Stahlnägel von Wracks, die an der Küste gestrandet waren. Sie klopften diese mit einem Stein flach und erhielten so meißelartige Schnitzwerkzeuge. Später, nach dem Kontakt mit dem Westen, erhielten die Asmat Stahläxte, Messer und Meißel. Die Künstler schnitzen den Schild samt dem Griff aus einem einzigen Stück Holz. Der Griff besteht entweder aus einem kurzen, senkrechten Wulst oder einem langen Grat, der in der Mitte breiter und erhöht ist und ein bis drei ausgehöhlte Grifflöcher besitzt.


Schilde werden auch bei rituellen Anlässen getragen und an Hauseingängen aufgestellt um unliebsame Eindringlinge abzuwehren. Ritualschilde, die beispielsweise beim Ahnenmaskenfest zur Identifikation des Geists eines Verstorbenen dienen, sind erheblich kleiner als die Kampfschilde. Es trifft also nicht zu, dass sie wegen ihres „Koffermaßes" nur zum Verkauf geschnitzt wurden.


Brazza Krieger mit Schild