Das Leben der Asmat heute

Schulkinder in Asmat

Zur Zeit der Kolonialisierung, gelangten Regierungsbeamte, Händler auf der Suche nach Paradiesvogelfedern, Wissenschaftler (z. B. der Ethnologe Paul Wirtz oder die naturwissenschaftliche Archbold-Expedition) und während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs überwiegend japanische australische und niederländische Soldaten, in das weitgehend unbekannte Asmat. Gerardus A. Zegwaard gegründete 1953 die erste permanente Missionsstation in Agats, der ein Jahr später ein erster niederländischer Regierungsposten folgte. Zegwaards Publikation im American Anthropologist 61, 1959, „Headhunting practices of Netherlands New Guinea“, öffnet die Tür zu einem tiefen Verständnis der Asmat und ihrer Kultur. 1959 übernahm die amerikanische Kreuzherren-Mission (Croiser Mission, o.s.c.) die „Missionierung“ der Asmat. Nicht die „gewaltsame“, die unbedingte Christianisierung mit Taufe stand auf der Agenda, sondern Toleranz für das außergewöhnlich Fremde, Hilfestellung und Vorbildsein. Mit Bischof Alphonse A. Sowada, der nicht nur Theologie, sondern auch Anthropologie studiert hatte, erfolgte ein völliges Umdenken. Denn nach dem Verschwinden von Michael Rockefeller im November 1961, nach seinem Unfall mit dem Katamaran im Mündungsbereich der Flüsse Siretsj und Betsj, wurden den Asmat, unter der Annahme Rockefeller sei Kopfjägern zum Opfer gefallen, alle kulturellen Aktivitäten, das Begehen traditioneller Feste, die Herstellung von Schnitzwerken verboten und sogar die Männerhäuser in Brand gesteckt. Bischof Sowada protestierte. Er war der Ansicht, dass mit diesem Verbot die Asmat entwurzelt und ihnen ihre Identität genommen würden. Für ein positives Ego muss ein Mensch wissen woher er kommt. Die Wiederbelebung der nur kurzweilig unterbrochenen Kulturaktivitäten wurde von Bischof Sowada durch den Bau eines Museums für die Asmat-Bevölkerung und durch einen Asmat-weiten alljährlichen Kunstwettbewerb motiviert.

Auf diesem Wege sind Namen zu nennen, wie Adrian Gerbrands, V.F.P.M. van Amelsvoort, Frank Trenkenschuh, vor allem Jac. Hoogerbrugge mit seinem Projekt der Vereinten Nationen (FUNDWI), aber auch die Ethnologen und Museumsdirektoren Dirk Smidt (Leiden) und Klaus Helfrich (Berlin-Dahlem). Stellvertretend für das großartige Engagement von FREEPORT Indonesia für die Asmat stehen das amerikanische Ehepaar Paul und Mary Ann Murphy.

Vorschule in Sawa

Der Tourismus (kleine Gruppen von 8-12, mal 20 Personen im Jahr) hat bis heute in Asmat keinen Einfluss. Händler, unterstützt von vielseitigen Regierungsprojekten, Firmenaktivitäten (Holz, Erdöl, Fisch und Gaharu (ein Baumharz für Räucherstäbchen) hinterließen allerdings Spuren und brachten viele fremde Menschen nach Asmat. Was im Handel um die Jahrhundertwende, um 1900, die Paradiesvogelbälge für den Hutschmuck darstellten, waren in den Jahren von 1970 bis 1980 Krokodilhäute  für Handtaschen. Ein Krokodiljäger legte in den einzelnen Armen der oberen Flussläufe für eine Nacht bis zu 500 Angelhaken aus. Heute ein Krokodil zu Gesicht zu bekommen ist selten geworden.
Die eigentliche Veränderung jedoch brachten die Schulen, zunächst die Missionsschulen, die später von der indonesischen Regierung übernommen und in jedem Dorf ausgebaut wurden. Der geistige Horizont der Asmat, der durch die beständigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Dorfgruppierungen zwangsläufig auf ihren unmittelbaren Lebensbereich beschränkt bleiben musste, öffnete sich. Die Asmat konnten sich bald ungefährdet mit ihren Einbäumen von Dorf zu Dorf bewegen. In Agats bestaunten sie im Museum erstmals die Ritualobjekte der einst verfeindeten Dorf- und Kulturgruppen. Sie sahen, hörten und erlebten Zivilisation, Außenbordmotore, Motorboote, Motorsägen und große Schiffe, die mit Baumstämmen überladen, Holz über das Meer wegschleppten, aber auf ihrem Rückweg Frachtgut wie Benzin, Reis und andere Handelgüter wie Töpfe, Kleider, Fleisch- und Fischkonserven mitbrachten. Lebten die Missionare und die Regierungsbeamten bis in die Mitte der 80er Jahre außerhalb der Dorfgemeinschaften, heiraten heute Männer, von allen Inselbereichen Indonesiens kommend, Asmat Frauen und erwerben sich damit Anrechte auf Grund und Boden mitten in den Dörfern.

Elektrogeneratoren speisen die vereinzelt aufgestellten Fernsehgeräte und Musikboxen. Als Prestigeobjekte der neuen Dorfbewohner, öffnen sie eine neue Atmosphäre im Leben der Asmat. Aber auch die Asmat selbst, die in den Städten Merauke, Timika, Wamena oder Jayapura zur Schule gingen, die Universität besuchten oder in der Fremde eine Zeit lang gelebt und gearbeitet haben, bringen weltoffene Perspektiven, aber auch Wünsche und für sie Nachahmungswürdiges mit in ihre Dörfer zurück. Der Lebensraum hat sich nicht geändert, aber die Bedingungen in ihm zu leben. In den größeren Dörfern gibt es Marktplätze und kleine Läden, in denen ein Asmat mehr kaufen kann (wenn er denn Geld hat) als er eigentlich benötigt. In Agats, dem Regierungssitz des eigenständigen Kabupaten Asmat und der sogenannten „Hauptstadt“ von Asmat, gibt es keine Straßen. Um sich bei dem schlammigen Untergrund fortbewegen zu können, sind Gehwege aus Holzplanken, wie die Häuser auf Pfählen errichtet. Wegen des Tidenunterschieds von 4-5 Metern sind die Häuser und die sie verbindenden Gehwege entsprechend hoch, bis jetzt jedoch ohne Geländer zum Schutz hinab zu fallen. Eine Ausnahme bildet die Hauptstraße, die seit letztem Jahr gebaut wird, Stahl und Beton sollen eine längere Haltbarkeit garantieren.
In den letzten Jahren wurden nicht nur leichte Handwagen/Karren auf diesen Plankenwegen benutz, um Lasten zu befördern, sondern auch Fahrräder zum schnelleren persönlichen Transport. Seit zwei Jahren haben Elektromotorräder Einzug gehalten.