Von dem Vogel zur Kunst

Gunter Konrad 1971 am Brazza

Die Asmat-Sammlung Konrad

1962 faszinierten die Paradiesvögel. Diese in den Urwäldern Neuguineas aufzuspüren und in über dreißig Meter hohen Baumwipfeln zu filmen bedurfte der Hilfe der Einheimischen. Viele Monate lang lebten wir mit den Asmat im Urwald zusammen. Die Menschen, ihre damals noch „steinzeitliche“ Lebensweise, ihre Kultur – ihre Festriten und ihr Kunstschaffen – fesselte uns bald sehr viel stärker als die Verhaltensweisen der zauberhaften Paradiesvögel. Wir interessierten uns mehr für die Menschen.
In den fast 40 Jahren unserer kontinuierlichen Kontakte mit den Asmat entstand eine umfassende ethnographische Sammlung von allen rituell und in Festen benutzten Kunstobjekten, wie auch von den alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Aus dem unmittelbaren Erleben sind die Objekte fotographisch, durch vielseitige Kenntnis und Hintergrundinformation in den kulturellen Kontext eingebettet.

Ursula Konrad, 1971

Carolina Winkelmann, 1982

Über 6000 inventarisierte Objekte der Sammlung gewähren einen einzigartigen Einblick in alle 12 Kulturgruppen der Asmat. Noch aus vormissionarischer Zeit, wie am Brazza-Fluß, dokumentiert die überwältigende Mehrheit der Sammlungsobjekte nicht nur die Tradition einer unbeeinflussten Lebensweise sondern über die Jahrzehnte auch den kontinuierlich zunehmenden Einfluss der Mission und Zivilisation, der Schulen und Umweltveränderungen und damit zwangsläufig verbunden den Fortschritt der Menschen in Bildung und Lebensperspektiven. Das künstlerische Schaffen ist Spiegel dieser atemberaubend rasanten Entwicklung von der steinzeitlichen zu einer IT-beeinflussten Lebensweise. Aus diesen revolutionären künstlerischen Gedanken entstehen oft komplex szenenhaft gestaltete Objekte, die hintergründig tiefe Einblicke in die vielschichtigen mythischen Wurzeln der Asmat-Kultur erlauben.

Ursula Konrad, Pupis 1991

Carolina Winkelmann und Yuven Biakai, 2007

Carolina Winkelmann und Yuven Biakai, 2007